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Kurz-Info
Tektite sind Gesteinsgläser, die man nur an wenigen Stellen in den Ablagerungen der erdgeschichtlichen Perioden Tertiär und Quartär findet.

In Europa begegnet man am häufigsten den flaschengrünen Moldaviten, ansonsten sind die meist schwarzen Tektite aus Indochina weit verbreitet. Die Stücke der verschiedenen Fundpunkte sind oft keulenförmig, auch diskusartig abgeplattet bis rundlich und kugelig mit vielen Zwischenformen. Oft haben Tektite eine aerodynamische Form und weisen eine narbige Oberfläche mit Schmelzgruben und Fließstrukturen auf.

Im frischen Bruch und in den physikalischen Eigenschaften ähneln zum Beispiel die Indochinite stark Obsidian, einem irdisch-vulkanischen Gesteinsschmelzeglas. Doch genauere chemische Untersuchungen erbrachten mehr Gegensätze als Übereinstimmung zu den vulkanischen Gläsern.

Lange Zeit wurde eine irdische oder extraterrestrische Bildung der Tektite diskutiert, es gab sogar Erklärungsversuche wie Mondgestein, außerirdische Gläser oder vulkanisches Gestein.

Tatsächlich aber lässt sich in vielen Fällen den ausgeschleuderten Gesteinsgläsern ein Impaktkrater zuordnen. Genauere Altersbestimmungen ergaben zum Beispiel, dass die zeitgleiche Entstehung Steinheimer Becken/Nördlinger Ries durch einen Impakt mit 14.6 Millionen Jahren altersgleich den im Bereich der Moldau gefundenen Tektiten, den Moldaviten, ist.
> Glasbombe / Flädele

Daraus ist der einzig richtige Schluss zu ziehen: Ein aus dem Weltraum kommender Körper durcheilt mit hoher Geschwindigkeit die Erdatmosphäre und trifft mit großer Gewalt auf die Erdoberfläche. Dabei werden in einem einzigen Augenblick gewaltige Kräfte frei.

Die genaue Lokalisierung einer Tektitart kann Rückschlüsse vom Streufeld auf den Impakt liefern, der endgültige Beweis für den Einschlag eines Meteoriten ist gegeben, worin sich im Krater oder in der Nähe eines vermuteten Kraters meteoritisches Material auffinden lässt. Weitere Beweise sind Hochdruckmodifikationen des Quarzes Stishovit und Coesit, Druckumwandlungen im festen Zustand von Quarz und Feldspäten zu diaplektischen Gläsern und kegelförmige, striemige Bruchstücke von Gesteinen wie die Schockwellen-Umformungen, die sich an den Shattercones zeigen.

Beim Einschlag eines ungebremsten Körpers auf die Oberfläche unseres Planeten werden erhebliche Energien frei. Sie reichen auch noch aus, die Gesteine aufzuschmelzen, die etwas weiter vom Impaktzentrum entfernt liegen. Aus dem Kontaktbereich zwischen einstürzendem Körper und Untergrund werden Strahlen, geschmolzenen Materials mit hoher Geschwindigkeit ausgeschleudert. Diese heißen Gesteinsfetzen fliegen mit bis zu 25 facher Schallgeschwindigkeit. Im Flug erstarren sie durch Abkühlung zu Gesteinsgläsern und erhalten dabei ihre typischen Formen und Oberflächenstrukturen.

Dieses Produkt aus Meteorit oder Kometenkern, der in die Erdkruste eindringt und je nach Geschwindigkeit, Auftreffwinkel und Masse heftigste Reaktionen hervorruft, fliegt nun seinerseits entsprechend weit. Die Tektite fallen dann manchmal in großer Zahl und über weite Flächen verteilt herunter. In ihren Streubereichen können sie bei systematischer Suche auch heute noch gefunden werden, wenn sie nicht der natürlichen Erosion zum Opfer gefallen sind oder Sedimente und Meere sie verbergen.

Die Tektite unterscheiden sich von allen anderen natürlichen Gläsern wie Obsidian durch einen großen SiO2 Gehalt, weshalb sie auch einen ungewöhnlich hohen Schmelzbereich von 1200 bis 1400 °C aufweisen, sowie durch einen extrem niedrigen Wassergehalt. Mit etwa 0.005% H 2 0 sind Tektite die wasserärmsten Gläser, die man kennt. Selbst bei von Menschenhand verursachten Kernexplosionen, die auch Gesteine aufschmelzen, ist das Umwandlungsprodukt wasserreicher. Ebenso fehlen den Tektiten die für Lavaglas so charakteristischen Einschlüsse von Mikrokristallen.

Damit scheiden die Tektite als Produkte vulkanischer Eruptionen aus. Vielmehr deutet alles auf eine Bildung bei gewaltigen Drucken und hoher Temperatur hin, auch lässt sich heute in vielen Fällen eine Beziehung vom Impakt zu den ausgeworfenen Tektiten herstellen. Die Benennung der Tektite hängt mit den Streufeldern, in denen sie aufgefunden werden zusammen.

Typisch bei Tektiten sind kugelige bis tropfenartige aerodynamische Formen sowie ihre auf den ersten Blick wie zerfressen wirkende Oberfläche. Diese Vertiefungen und Gräben treten nur als Oberflächenstrukturen hervor, Bruchflächen sind immer glatt. Die Oberfläche kann durch Korrosion matt sein, auch treten gelegentlich eine streifige Struktur oder große verzweigte Vertiefungen auf, bis hin zu mäanderförmigen Gräben . Bei Philippiniten kann man auch Vertiefungen beobachten, die den gesamten Tektit netzförmig umfassen.
> Rizalit / Philippinit

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